~ 22/03/14 ~

UN’96 – das war nie nur ein Fanclub.

Das war Haltung. Heimat. Herz. Gegründet 1996, gewachsen mit jedem Spiel – und jeder Sekunde, die wir reingesteckt haben. Das war Schweiß. Stimme. Farbe unter den Fingernägeln. 18 Jahre Herzblut, Lärm, Wahnsinn. Ein Lebensgefühl: laut. Kreativ. Unbequem. Emotional. Voller Leidenschaft. Vom Keller bis in die 1. Bundesliga. Von Aufstiegsträumen bis zum Abstiegskater. Testspiele, Pokalspiele – egal was, egal wo: Wir waren dabei. Immer. Und nicht zu vergessen: Wir sind der Europapokalsieger von 3127!

Endlose Auswärtsfahrten. Fahne in der Hand, Stimme im Anschlag. Choreos, Spruchbänder, unser Infoblatt HKN, Freundschaften fürs Leben – das war UN’96.

Doch jede Geschichte hat einen letzten Satz.

Nach reiflicher Überlegung haben wir beschlossen, UN’96 mit dem Ende dieser Saison ruhen zu lassen. Nicht, weil uns die Liebe fehlt – sondern weil die Kraft nicht mehr reicht. Zuletzt waren wir manchmal nur noch zu viert. Viele haben heute andere Wege – andere Prioritäten, andere Baustellen im Leben. Neue Gesichter kamen, blieben aber nicht. Und wir haben uns nie mit „ein bisschen“ zufriedengegeben. Weil wir an uns selbst hohe Ansprüche stellen, gehen wir diesen Schritt mit Stolz – bevor aus Leidenschaft Pflicht wird.

Was bleibt?

Alles. Jede Erinnerung. Jede Stimme, die wir verloren haben. Jede Busfahrt im Morgengrauen. Jeder Dosenöffner, der zum Megafon wurde. Jeder Spruch, der saß. Jeder Moment, der uns geprägt hat. Erinnerungen, die niemand nehmen kann. Choreos, die Gänsehaut gemacht haben. Nächte, die wir nie vergessen. Momente, die uns für immer prägen.

Und jetzt?

Die Website bleibt. Unsere Geschichte bleibt. Als digitales Museum der Nördlinger Fankultur. Als Gruß an die, die da waren – und an die, die noch kommen. Wir halten weiter fest, was uns bewegt: Fotos, Texte, Eindrücke – von den Spielen, den Menschen und dem Leben dazwischen. Ohne Taktung. Ohne Verpflichtung. Einfach – wie am Anfang: UNregelmäßig.

Soziale Netzwerke? Gab’s nie. Ohne Likes, ohne Follower. So wie immer: analog im Kopf. Echt im Herzen. Das alte Forum mit über 65.000 Beiträgen? Abgeschaltet.

Ultras sterben nie?

2014 haben wir das Kapitel als Ultras geschlossen. Nicht, weil die Leidenschaft verschwunden war, sondern weil sich das Leben verändert. Familie, Beruf und andere Dinge bekamen ihren Platz. Über 18 Jahre lang war die Fankultur ein fester Bestandteil unseres Lebens. Jeder Spieltag war gesetzt, die nächste Auswärtsfahrt geplant, die nächste Aktion im Kopf. Wir wollten dabei sein, etwas auf die Beine stellen und unsere eigenen Ideen verwirklichen. Das war unsere Leidenschaft. Und wir haben diese Zeit gelebt, wie sie nur wenige erleben.

Irgendwann war für uns klar, dass wir diesen Anspruch nicht mehr in derselben Form erfüllen konnten. Aus Respekt vor dem Begriff „Ultras“ und unserem eigenen Verständnis davon haben wir ihn deshalb aus unserem öffentlichen Auftreten gestrichen. Nicht aus Enttäuschung über das, was war, sondern weil ein neuer Abschnitt begonnen hatte.

Heute sieht das Leben anders aus. Die Zeit ist knapper geworden, die Leben haben sich verändert und nicht mehr alle von damals können bei jedem Spiel dabei sein. Wenn wir heute noch etwas auf die Beine stellen, dann in dem Rahmen, der für uns passt. Mal eine Choreo, mal ein Transparent, mal einfach nur ein Spiel. Ohne den Anspruch von früher, immer und überall dabei sein zu müssen.

Wir haben uns nicht umbenannt. Wir haben ein Kapitel abgeschlossen und unseren eigenen Weg weitergeführt.

Wir sind nicht weg – nur anders. Vielleicht dort, wo wir immer waren: mittendrin, ohne großes Aufsehen.

Und wenn nicht? Dann eben nicht.

Ultras sterben nie.

Hier findet ihr noch einen sehr lesenswerten Text, von unseren Freunden aus Jena, vom Oktober 2013. Danke für diese tollen Worte! Jena & der TSV! Zum Artikel

zurück